Axel Springer zum 100.Geburtstag

Erschienen am 30. April 2012

Der Verleger Axel Springer wäre am 2.Mai 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass nachfolgend eine gekürzte Fassung aus dem Buch von Dr.Rainer Zitelmann: „Setze dir größere Ziele!“ (www.ambition-verlag.de)

Im Januar 1977, als sich die meisten Deutschen mit der Teilung ihres Landes abgefunden hatten, prophezeite der Verleger Axel Springer: „Wenn wir nur wollen, wenn wir alles wagen, dann ist die Freiheit kein Märchen. In Deutschland nicht. In Polen nicht. In Ungarn, Rumänien, der Tschechoslowakei und den baltischen Staaten nicht. Und nicht in Russland.“ Im gleichen Jahr sagte er voraus: „Jenes von Marx entworfene Denkgebäude ist in toto … am Zusammenstürzen.“

Axel Springer war fest davon überzeugt, dass eines Tages der Kommunismus zusammenbrechen und Berlin und Deutschland wiedervereinigt würden. Schon im Jahr 1959, der Kalte Krieg zwischen Russland und den Westmächten spitzte sich immer mehr zu, legte er den Grundstein für eine Druckerei und ein Verlagsgebäude direkt an der Grenze zwischen dem Ost- und dem Westteil Berlins, genau an der Linie, an der zwei Jahre später die Mauer gebaut werden sollte. Im Mai jenes Jahres lief das Berlin-Ultimatum der Sowjetunion ab. Zwei Tage vor dem Ablauf dieses Ultimatums rief Springer an einem strahlenden Tag zu drei Hammerschlägen auf den Grundstein des Neubaus: „Einigkeit und Recht und Freiheit!“ Auf die Frage, warum er ausgerechnet in Berlin sein Verlagsgebäude errichte, also in einer Stadt, an deren Zukunft viele Menschen nicht mehr glaubten, antwortete er: „Ich glaube an Deutschland mit der Hauptstadt Berlin. Aber ich glaube nicht nur an Deutschland, sondern ich will es eben auch. Und deshalb baue ich in Berlin.“

Viele Menschen lachten ihn aus, sie nannten Springer den „Brandenburger Tor“. Während Ende der 60er Jahre in der Bundesrepublik die Kapitalismus-Kritik populär wurde, stritt er für die Marktwirtschaft. Zu einer Zeit, als es als „reaktionär“ galt, die DDR als Diktatur zu bezeichnen und von der Unterdrückung in den kommunistischen Staaten zu sprechen, als der Begriff „Antikommunist“ gleichbedeutend war mit „rückschrittlich“, da bezeichnete er sich stolz als Antikommunist und prangerte die Menschenrechtsverletzungen in der DDR an. Er ordnete an, dass in allen seinen Zeitungen die „DDR“ nur in Anführungszeichen geschrieben werden dürfe, denn diese sei weder deutsch noch demokratisch noch eine Republik.

All dies brachte ihm den Hass der politischen Linken ein. „Es war die umfangreichste Hatz, die je gegen einen einzelnen in Deutschland entfesselt wurde“, berichtet Claus Jacobi in seiner Biographie über Springer. Nachdem ein politischer Wirrkopf am 11. April 1968 einen Anschlag auf den Führer der linken Studentenschaft, Rudi Dutschke, verübt hatte, eskalierte die Situation. Das Verlagshaus an der Kochstraße in Berlin wurde belagert und gewaltsam angegriffen. Der Hass der Demonstranten kam in Parolen zum Ausdruck wie: „Ri-ra-ro, Springer ist k.o.“, „Haut dem Springer auf die Flossen, sonst wirst morgen Du erschossen“, „Killt BILD“, „Springer-Presse halt die Fresse“. Jahre später stand Springer auf der Todesliste linksextremer Terroristen und konnte sich nur noch unter Polizeischutz bewegen, zwei Bomben waren in seinem Verlagshaus explodiert, zwei Privathäuser des Verlegers wurden angezündet.

Wer war dieser Mann, der trotz aller Anfeindungen an seinen Grundüberzeugungen von der Überlegenheit der Markwirtschaft, an seiner scharfen Kritik des Sozialismus und des Kommunismus und am Glauben an die deutsche Wiedervereinigung festhielt? Springer wurde 1912 in Hamburg geboren. Nach dem Krieg bemühte er sich bei der britischen Besatzungsmacht um die Lizenz für eine Zeitung. In der Hoffnung, die Lizenz zu erhalten, hatte manch ein Bewerber ein wenig geflunkert und seine kritische Haltung zur Hitler-Diktatur überzeichnet. „Als eines Tages der von den Widerstandsbeteuerungen vorangegangener Lizenzbewerber schon etwas genervte Major Barnetson – später Lord Barnetson – süffisant fragte: ‚Und von wem wurden Sie verfolgt, Herr Springer?’, da antwortete er: ‚Ooch, eigentlich nur von den Mädchen.’“ Das gefiel dem Engländer und 1946/47 erhielt Springer die Lizenz für mehrere Zeitschriften.

Der Verlag residierte zunächst in einem ehemaligen Flakbunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld. Im Dezember 1946 wurde die erste Ausgabe der Fernsehzeitschrift Hör Zu! ausgeliefert, die schon bald eine Millionenauflage erzielte und zur größten Fernsehzeitschrift Europas werden sollte. Kurz darauf hatte Springer die Idee, eine Tageszeitung neuen Typs zu erfinden. Als seine Direktoren ihn fragten, ob er auch schon einen Namen für diese Zeitung habe, und er „Bild“ antwortete, lachten sie ihn aus.

Bild sollte in den kommenden Jahren mit täglich vielen Millionen verkauften Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Europa werden. Bild polarisierte die Menschen. Die Überschriften brachten manche zum Lachen, manche zur Verzweiflung, aber sie prägten sich ein und sorgten für Gesprächsstoff. Nach der ersten Mondlandung titelte Bild: „Der Mond ist jetzt ein Ami“. Die Bild-Zeitung entfaltete eine enorme Macht. „Als die Post in den Parlamentsferien beschloss, die Telefongebühren um zwei Pfennige zu erhöhen, verlangte Bild in einer Schlagzeile: ‚Holt den Bundestag aus dem Urlaub!’ Und so geschah es. Der Beschluss wurde gekippt.“

Die Bild-Zeitung, so schreibt Claus Jacobi, wurde „zu einem süchtig machenden täglichen Cocktail aus Sex, Politik und Sensationen, Facts und Fiction, Mord und Totschlag, Brutalität und Barmherzigkeit, Verbrechen und Verbrauchertipps.“ Springer erwarb etwa drei Dutzend weitere Zeitungen und Zeitschriften, beteiligte sich am Fernsehsender SAT 1 und kaufte Buchverlage. „Kein einzelner Mann in Deutschland“, urteilte sein Widersacher, der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein, „hat vor Hitler und nach Hitler soviel Macht kumuliert, Bismarck und die beiden Kaiser ausgenommen.“ Das war sicherlich übertrieben. Aber immerhin zählte ihn auch die britische Sunday Times Anfang der 70er Jahre zu den 20 einflussreichsten Menschen der Welt.

Axel Springer polarisierte. Dass er Milliardär wurde, hatte er auch der Unabhängigkeit seines Denkens zu verdanken, und dass er unabhängig zu denken vermochte, verdankte er auch seiner finanziellen Freiheit. Seine Vision, dass der Kommunismus zusammenbrechen, die Marktwirtschaft weltweit über den Sozialismus triumphieren werde, Deutschland wiedervereinigt sei mit der Hauptstadt Berlin – die erlebte er allerdings nicht mehr selbst. Wenige Jahre bevor all das eintrat, was er immer wieder in Reden und Artikeln beschworen hatte, verstarb er.

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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