„Die Erde ist keine Scheibe“ ODER:
Wie vernünftig ist Sahra Wagenknecht?

Erschienen am 10. Juni 2018

Sahra Wagenknecht genießt Sympathien – bis hinein ins bürgerliche und rechte Lager -, weil sie sich in der parteiinternen Debatte gegen die Politik der „offenen Grenzen für alle“ wendet, die die Mehrheit der LINKEN und die Parteiführung propagiert.

Wagenknecht sagte auf dem Parteitag der LINKEN: „Es ist weltfremd, dass jeder nach Deutschland kommen kann und Anspruch auf Sozialleistungen hat.“ In einem Beitrag in der „Zeit“, der kurz vor dem Parteitag erschien, schrieb sie über „den Flüchtling“: „Er ist einmal der vor Gefahren Fliehende, und dann ist er der nach einem besseren Leben suchende Arbeitsmigrant. Er ist der Schutzbedürftige und er ist der Konkurrent um die knappen Ressourcen am unteren Ende der Gesellschaft.“

Wagenknecht hat damit gesagt: 2 + 2 ergibt 4. Für solche Äußerungen erhält sie Lob aus dem bürgerlichen Lager.

Okay: Wenn ich in einer Partei wäre, die beschließt: „Die Erde ist eine Scheibe“ – und ich mich dagegen wenden würde, wäre ich dann vernünftig? Es ist alles eine Frage des Maßstabes. Ich habe noch nie von einer Partei irgendwo auf der Welt gehört, die in ihrem Programm ernsthaft forderte, die Grenzen des Landes bedingungslos für alle Menschen zu öffnen, um diese mit Sozialleistungen zu versorgen. So verrückt ist wirklich nur die LINKE in Deutschland (die früher mal KPD hieß, dann SED, dann PDS…) Genauso gut könnte man dafür plädieren, die Schwerkraft aufzuheben oder beschließen, dass 2 X 2 = 18 ist. Erklärungsbedürftig erscheint mir nicht, dass jemand solchen offenkundigen Schwachsinn nicht mittragen möchte, sondern dass es erwachsene Menschen gibt, die so etwas teilen.

Aber wie vernünftig ist eine Frau, die noch vor fünf Jahren Hugo Chavéz als „großen Präsidenten“ pries, der sich mit seinem „Kampf um Gerechtigkeit und Würde“ verdient gemacht und in Venezuela gezeigt habe, dass „ein anderes Wirtschaftsmodell möglich“ sei? Dann ist die Erde auf einmal doch wieder eine Scheibe. Fragen Sie mal die vier Millionen Menschen, die seitdem aus Venezuela geflohen sind und jene, die nicht aus Wagenknechts sozialistischem Wirtschaftswunderland fliehen konnten, aber mit 13.000% Inflation heute die Früchte dieses „anderen Wirtschaftsmodells“ ernten, ob diese das als Ausfluss einer Politik von „Gerechtigkeit und Würde“ empfinden.

Und wie vernünftig ist jemand, die ein Experiment („Sozialismus“) in einer modifizierten Variante wiederholen möchte, das nachweislich seit 100 Jahren in ALLEN Varianten ausnahmslos schief gegangen ist? Ist so jemand vernünftiger als die Genossen, die fordern, die Grenze für alle zu öffnen? Oder sind das nur graduelle Unterschiede im Grade der ideologischen Verblendung und Realitätsverweigerung.

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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.