Die Lügen-Währung

Erschienen am 28. März 2011

Seitdem Währungen nicht mehr durch Gold gedeckt sind, haben sie nur noch eine einzige Rückdeckung: Das Vertrauen der Menschen, die die Währung verwenden.
Dieser Basis ist durch das Handeln der deutschen und der anderen europäischen Politiker jede Grundlage entzogen. Der Euro ist eine Lügen-Währung, denn es gab wohl noch nie in der Geschichte eine Währung, die auf so vielen gebrochenen Worten beruhte. Der Maastrichter Vertrag, einstmals die Basis des Euro, wurde in allen Punkten immer wieder gebrochen. Von Anfang an akzeptierten die Euro-Länder, dass Länder beitraten, von denen jeder wusste, dass diese die Statistiken manipuliert hatten, um den Maastrichter Kriterien zu entsprechen. Da fast jedes Land in den wenigen Jahren, seit es den Euro gibt, mehrfach gegen das eine oder andere Kriterium des Vertrages grob verstoßen hatte, ohne dass dies irgendwelche Folgen gehabt hätte, wurde rasch von allen akzeptiert, dass Vertragsverletzungen ohne Folgen bleiben sollten.
Neben Kriterien, die sich auf die Verschuldung oder auf die Höhe der Inflationsrate bezogen, war die allerwichtigste Bestimmung des Vertrages die „No bail out“-Klausel, wonach kein Land verpflichtet ist, für die Schulden des anderen aufzukommen.
Die deutschen Politiker hatten immer wieder – wahrheitswidrig – beteuert, dass es bei dieser „No bail-out“-Klausel bleiben werde. Ich hatte in meinen Kommentaren immer wieder belegt, dass in Wahrheit durch die Beschlüsse der europäischen Politiker fortlaufend gegen diese Klausel verstoßen wird.
Seit letzter Woche nun ist es offiziell – und niemand kann es mehr leugnen: Europa ist zu einer Transferunion geworden, in der jedes Land damit rechnen kann, bei unsolider Haushaltspolitik von den anderen Ländern „rausgehauen“ zu werden. Natürlich bestreiten die Politiker dies nach wie vor – aber die Menschen werden irgendwann erkennen, dass die Währung Euro auf einer großen Lüge beruht.
Derzeit beschäftigen sich viele Deutsche ja eher damit, Geigerzähler zu kaufen, Jodpillen zu horten und für die sofortige Abschaltung aller AKWs zu demonstrieren, so dass sie gar nicht merken, wie durch die Beschlüsse der europäischen Politiker dem Euro jede Vertrauensbasis entzogen wird.
Der Euro wird damit perspektivisch eine Weichwährung. Dass sich dies nicht in einem rapiden Verfall des Wechselkurses zeigt, liegt allein daran, dass auch in den USA durch die FED eine extrem unverantwortliche Politik betrieben wird. Wenn zwei Währungen ruiniert werden, dann ist der Wechselkurs zwischen diesen beiden Währungen eben kein Indikator mehr für deren Stabilität. Der Maßstab für die Stabilität der Währung wird wieder allein deren „Wechselkurs“ im Vergleich zum Gold. Erst vor wenigen Jahren habe ich das Kilo Gold für 10.000 Euro gekauft, heute müsste ich 33.000 Euro dafür bezahlen. Dies zeigt, wie stark der Euro in dieser kurzen Zeit schon an Wert verloren hat.
Die Anleger flüchten in Gold und in Sachwerte wie etwa in Zinshäuser (siehe nachstehenden Bericht). Diese Flucht in die Sachwerte wird sich in dem Maße verstärken, wie deutlich wird, dass der Euro eine Lügen-Währung ist, die das Vertrauen der Menschen nicht mehr verdient.

Run auf Zinshäuser

CAPITAL 4/11 berichtet über den Run auf Zinshäuser. 2009 seien laut IVD deutschlandweit Objekte im Wert von 8,5 Mrd. Euro umgesetzt worden, allen voran in Berlin, Hamburg und München. 2010 dürfte noch besser gelaufen sein. Laut einer Umfrage von Ernst & Young Real Estate stehe das Zinshaus auch bei institutionellen Anlegern ganz oben auf der Liste. Dies treibe die Preise nach oben und führe zu schwindenden Renditen. Eine Studie von CBRE in 16 Städten zeige, wo ein Kauf noch sinnvoll sei. In fast allen untersuchten Stadtteilen seien die Angebotsmieten und die Quadratmeterpreise gestiegen. Beispiel Frankfurt: Westlich der Innenstadt liege die Angebotsmiete bei 12,58 Euro/qm. 2008 habe sie noch bei 11,60 Euro/qm gelegen. Die Kaufpreise seien explodiert. Hätte man 2008 noch 1800 Euro/qm gezahlt, seien es mittlerweile 3000 Euro/qm. In Hamburg zahle man für Alsterlagen das 20-fache der Jahresmiete. Der Hotspot des deutschen Immobilienmarktes sei Berlin. Rund zwei Mrd. Euro seien hier 2010 umgesetzt worden. In Berlin würden laut BulwienGesa die Mieten langfristig steigen. Laut IVD seien 2010 bei Neuvermietungen um 35% höhere Mieten als im offiziellen Mietspiegel ausgewiesen worden. Jetzt lägen sie bei 6,50 Euro/qm. (Zu diesem Thema finden zwei Veranstaltungen statt: „Wohnimmobilien als Assetklasse“ und „Zinshausmarkt 2011“. Das Programm können Sie anfordern unter: info@immobilienrunde.de.)

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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