Dutschke, Robin Hood, Camus: Robert Habecks Vorbilder

Erschienen am 26. April 2019

Beim Brigitte-Talk zählt Robert Habeck seine Vorbilder auf. Bezeichnend ist, dass darunter weder ein Demokrat noch ein Marktwirtschaftler ist. Und alle drei hatten, vorsichtig ausgedrückt, zumindest ein problematisches Verhältnis zum Rechtsstaat.

Ansgar Graw berichtet in der „Welt“ von einer Veranstaltung der Zeitschrift „Brigitte“ mit dem Grünen-Chef Robert Habeck.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article192482835/Robert-Habeck-im-Brigitte-Talk-Ist-das-Land-bereit-fuer-einen-maennlichen-Kanzler.html

In dem Bericht heißt es:

„Die Fragen sind freundlich, sehr freundlich. Habeck bekommt Raum, um sich sympathisch zu präsentieren, nachgebohrt wird nicht. Etwa als er anbietet, drei Vorbilder zu benennen, und dann zählt er auf: Erstens Robin Hood (auf der Basis eines Disney-Films, den Habeck mit sechs Jahren sah). Zweitens: Albert Camus, dessen ‚Mythos des Sisyphos’ (den wir uns bekanntlich ‚als einen glücklichen Menschen vorstellen’ müssen) er mit ungefähr 16 Jahren las und der ihn dazu brachte, Philosophie zu studieren: ‚Aber als Philosophen würde ich mich deshalb nicht betrachten.’ Und drittens mit Blick auf die 68er: ‚Den Mut von Rudi Dutschke, der war prägend für mich in einer Zeit, in der ich Mut gesucht habe – aber ohne diesen ganzen Mao-Quatsch!’ Und dann erschrickt Habeck vor seinem Mut und bittet: ‚Aber jetzt nicht daraus machen, Dutschke wäre mein Vorbild!’ Nanu, hatte er das nicht gerade gesagt? Nachgefasst wird leider nicht.“

Offenbar kam niemand auf der Veranstaltung auf die Idee zu fragen, warum ihm keine Vorbilder eingefallen seien, die für Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft sind. Kritisiert wurde lediglich, dass keine Frau unter seinen Vorbildern sei. Vermutlich wären alle zufrieden gewesen, wenn er beispielsweise Rosa Luxemburg angeführt hätte.

Auffallend ist:
– Keiner der drei Genannten war Anhänger der Marktwirtschaft.

– Keiner der drei Genannten steht für die parlamentarische Demokratie

– Alle hatten zumindest, um es vorsichtig zu sagen, ein schwieriges Verhältnis zum Rechtsstaat.

Albert Camus war zunächst Mitglied der Kommunistischen Partei, wurde aber später ein Kritiker des Stalinismus und Anarchosyndikalist. Er war gegen die parlamentarische Demokratie. Wirtschaftlich gesehen trat er für ein System ein, in dem die Produktionsmittel in den Händen der Gewerkschaften liegen. Er wünschte sich eine „internationalistische Ökonomie, in der die Rohstoffe verstaatlicht werden, der Handel kooperativ organisiert und die kolonialen Absatzmärkte allen zugänglich gemacht werden und das Geld selbst Kollektivstatus erhält.“

Rudi Dutschke, Anführer der Studentenbewegung, war Marxist und als Anhänger einer revolutionären Rätedemokratie Gegner der parlamentarischen Demokratie. Die soziale Marktwirtschaft bekämpfte er und trat für den Sozialismus ein, der sich allerdings von dem russischen Modell unterscheiden sollte. Mit Gaston Salvatore übersetzte er Che Guevaras Schrift Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnams ins Deutsche und schrieb ein Vorwort dazu. Der Revolutionär Che Guevara, der nach einer Reise nach Nordkorea das dort herrschende kommunistische System als Vorbild für Lateinamerika bezeichnete, ist für die Ermordung von Hunderten politischen Gegnern und die Einrichtung von Arbeitslagern verantwortlich.

Robin Hood war im 13. Jahrhundert ein in England gebräuchlicher Spitz- oder Beiname, der synonym für „Gesetzesbrecher“ benutzt wurde. Teilweise wird Robin Hood in der Überlieferung als Wegelagerer dargestellt, der vorzugsweise Geistliche und Adlige ausraubt. Später steht er für den Sozialrevolutionär. In dem Film, auf den sich Habeck bezieht, ist Robin Hood ein Räuber, der das geraubte Geld an die Armen verteilt.

Zu Habecks Einschränkung: Klar, bei Vorbildern muss man nicht alles teilen. Aber auch der mutige Revolutionär Dutschke („ohne Mao“) bleibt ein Marxist, ein Gegner von Marktwirtschaft, parlamentarischer Demokratie und Rechtsstaat.

Ich denke, am ehesten kann Habeck sich mit der Figur aus dem Kinderfilm identifizieren, den er mit sechs Jahren gesehen hat. Habeck würde sich wohl auch in dieser Rollen gefallen: Die Kapitalisten enteignen und das Geld im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ an die Arbeiter und die Armen verteilen. Viele Deutsche können sich Habeck laut Umfragen als Bundeskanzler vorstellen. Und das muss nicht so weit entfernt sein. Grüne, SPD und Linke kämen derzeit laut Umfragen auf 45 bis 46 Prozent. Noch zwei oder drei Prozent mehr – und dann würde es für eine Rot-rot-grüne Regierung reichen. Und ich denke, Habeck wäre lieber Bundeskanzler mit einer Vizekanzlerin Andrea Nahles als selbst Vizekanzler unter AKK.

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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.