Folgen der Griechenland-Rettungaktion

Erschienen am 3. Mai 2010

Ich habe mir überlegt, ob ich einen neuen Kommentar zu den Auswirkungen der nunmehr beschlossenen (natürlich wieder angeblich „alternativlosen“) Rettungsaktion für Griechenland schreiben soll. Tatsächlich habe ich jedoch an dieser Stelle in einem Kommentar Mitte Februar all das geschrieben, was eintreten wird – und zum großen Teil auch schon eingetreten ist. Ich warnte in dem Kommentar vor dem Aufflammen nationalistischer Ressentiments und gewalttätigen Ausschreitungen linksradikaler Kräfte in Griechenland, vor einer weiteren Schwächung des Euro und vor massiven inneren Konflikten in der Euro-Zone. Zudem sagte ich einen weiteren Anstieg des Goldpreises voraus – der auch tatsächlich im Vergleich zu meinem Kommentar vor 2 ½ Monaten inzwischen auf Euro-Basis mehr als 10% zugelegt hat. Hier noch einmal wörtlich mein Kommentar von Mitte Februar zu den Folgen einer – damals nur diskutierten – Rettungsaktion für Griechenland:

„1. Das Vertrauen in den Euro wird weiter schwinden. Niemand nimmt den Maastrichter Vertrag noch ernst. Mittelfristig wird der Euro weiter an Wert verlieren. Wären die USA nicht selbst durch eine enorme Verschuldung und durch die Finanzkrise stark angeschlagen, würde sich dies bereits viel stärker im Euro/Dollar-Wechselkurs widerspiegeln. Das richtige Maß für die Euro-Schwäche ist jedoch nicht vor allem der Wechselkurs zum US-Dollar, sondern der zum Gold. Und der Goldpreis hat auf Euro-Basis mit 800 Euro/Unze vergangene Woche einen historischen Rekordstand erreicht.

2. Andere Länder werden ermutigt, ihre Haushalte allenfalls halbherzig zu sanieren, da man ja gewiss sein kann, dass Europa – vor allem Deutschland – zur Hilfe eilen wird.

3. Die ohnehin stark angespannten Haushalte von Deutschland und anderen Ländern werden durch die Rettungsaktion für Griechenland und künftige weitere Rettungsaktionen für Portugal, Spanien und Italien weiter zusätzlich belastet. Die langfristige Perspektive lautet: Währungsreform oder Inflation.

4. Da die Rettung mit empfindlichen Auflagen für Griechenland verbunden sein wird, ist die Reaktion der Griechen schon vorauszusehen: Nationalistische und sozialistische Ressentiments gegen Europa und insbesondere gegen die Deutschen, werden angeheizt. Die Schuld für die notwendigen Sparmaßnahmen wird man nicht sich selbst geben – die Griechen haben lange über ihre Verhältnisse gelebt und haben sich nur durch Betrug den Beitritt zum Euro erschlichen -, sondern den anderen europäischen Staaten und insbesondere den Deutschen. Eine Welle gewaltsamer Ausschreitungen von linksradikalen und nationalistischen Kräften in Griechenland ist sehr wahrscheinlich.

5. Obwohl der Euro eigentlich die politische Einigung der Europäer befördern sollte, führt er auf diesem Wege zur Spaltung Europas und zu massiven inneren Konflikten in der Euro-Zone.

Es handelt sich bei der Griechenland-Rettung also wieder einmal um eine jener `alternativlosen` Maßnahmen, die den Keim künftiger Krisen und Zerstörungen in sich trägt.“

Soweit mein Kommentar von Mitte Februar. Nach dem Motto „haltet den Dieb“ hetzen Politiker in diesen Tagen massiv gegen „Spekulanten“, „Zocker“ und Banken, die angeblich an der Krise schuld sind. Tatsächlich sind jedoch jene Politiker schuld, die bei der Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone beide Augen zugemacht haben. Der Finanzmarkt – also in der Politiker-Sprache: die „Zocker“ und „Spekulanten“ – haben die Wahrheit über den Zustand des griechischen Staates erst ans Tageslicht gebracht. Markige Sprüche gegen „Spekulanten“, mit denen Bundespräsident Köhler und SPD-Politiker nach dem Beifall eines ahnungs- und verständnislosen Publikums heischen, tragen weder zur Analyse noch zur Bewältigung der aktuellen Probleme irgendetwas bei.

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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