Merkel als Super-Höller

Erschienen am 8. Oktober 2015

Ich war schon öfter bei den Seminaren von Jürgen Höller oder Jörg Löhr, den Motivationsgurus die Tausende begeistern. Ich mag Löhr und ich mag auch Höller (trotz aller Fehler, die er gemacht hat und die er übrigens auch freimütig einräumt). Bei ihren Seminaren rufen Hunderte und Tausende Teilnehmer begeistert: „Ich schaffe es, du schaffst es, wir schaffen es“

Ist Merkel auf einmal die Motivationskünstlerin des „positiven Denkens“? Bereitet sie eine zweite Karriere vor? So schien es gestern von 21.45 bis 22.45 Uhr in der ARD bei Anne Will. Wie ein Mantra bzw. wie eine autosuggestive Formel wiederholt die Kanzlerin stets unverdrossen und trotzig: „Wir schaffen es“. Dabei räumt sie offen ein, dass sie weder eine Vorstellung davon hat, wie viele Flüchtlinge noch kommen könnten, noch wird ein Weg erkennbar, wie sie das Thema lösen will. Das ist egal, sagt sie ganz freimütig. Hauptsache, wir glauben alle fest daran, dass wir es schaffen.

Doch auch Motivationsgurus wie Höller betonen, dass die bloße Wiederholung autosuggestiver Formeln und „positives Denken“ alleine keine Ergebnisse bringen. Man braucht vor allem ein klares Ziel. Und eine Vorstellung, wie man dahin kommen will. Bisher war stets nur ein Ziel von Merkel klar erkennbar: Dass sie selbst regieren will: Gestern mit der FDP. Heute mit der SPD. Morgen mit den Grünen, die heute schon hellauf begeistert sind von ihr. Sogar Claudia Roth schwärmt für Merkel. Das sollte einem zu denken geben.

„Ich habe einen Plan“ sagte Angela Merkel gestern bei Anne Will. Welchen Plan sie hat, wollte sie indes den Zuschauern leider nicht verraten. Lautet der Plan vielleicht einfach: „Ich will regieren“?

Es klingt schön, wenn Merkel (so wie viele andere Politiker auch) sagt, man müsse die Ursachen der Fluchtbewegungen beseitigen. Bei diesem Statement nicken alle einmütig, ohne genauer nachzudenken, was das denn heißt. Liegt es in Merkels Kraft, den Bürgerkrieg in Syrien, das Chaos im Irak und in Libyen zu beenden? Es ist traurig aber wahr: Mehreren Milliarden Menschen auf der Welt geht es sehr viel schlechter als uns in Deutschland. 60 Millionen sind schon auf der Flucht. Verständlicherweise wollen viele von ihnen nach Deutschland.

Kann Merkel Kriege und Armut mit der Macht des positiven Denkens und autosuggestiven Formeln beseitigen? Dann wäre sie ein Super-Höller, ein Super-Motivationsguru.


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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.