Warum die Immobilien- und Fondsbranche gestärkt aus der Krise hervorgehen wird

Erschienen am 8. Juni 2009

Krisen sind für die Wirtschaft wichtig, denn sie wirken wie ein Katalysator, der bei den Unternehmen die Spreu vom Weizen scheidet. Die Unternehmen, die schnell und anpassungsfähig sind, denen es gelingt, sich im Markt überzeugend zu positionieren und ihre Alleinstellungsmerkmale zu kommunizieren, überleben. Unternehmen ohne tragfähige Geschäftskonzepte und ohne die richtige Marktpositionierung, verschwinden. Dabei ist keineswegs gesagt, dass die Großen überleben. Nicht immer steht Größe auch für Stärke, sondern manchmal eben auch für Schwerfälligkeit, Unbeweglichkeit und Arroganz.

Die Ausleseprinzipien der Marktwirtschaft funktionieren leider in weiten Teilen nicht mehr. Derzeit werden die Unfähigen vom Staat künstlich am Leben gehalten. Es gibt nicht mehr nur „systemrelevante“ Banken, sondern inzwischen sieht sich jedes Unternehmen als „systemrelevant“.

In der Immobilien- und Fondsbranche, über die wir in den IMMOBILIEN NEWS berichten, funktionieren indes noch die Ausleseprinzipien. Meine Prognose: Das Segment der börsennotierten Immobilien AGs wird aus der Krise gestärkt hervorgehen. Klar positionierte Unternehmen mit vernünftigem Geschäftsmodell werden überleben. Gleiches wird auch in der Branche der geschlossenen Fonds, bei Bauträgern, Asset-Managern und Projektentwicklern gelten.

Sogar in der derzeit schwierigen Situation werden Gründungen von neuen Kapitalanlagesellschaften, von neuen Fondsinitiatoren usw. vorbereitet oder durchgeführt. Auf der anderen Seite geraten Unternehmen ins Trudeln, die in der Vergangenheit vor allem heiße Luft produziert haben.

Natürlich bedeutet die Krise auch für seriöse Unternehmen mit überzeugendem Geschäftsmodell eine schwere und sehr ernste Herausforderung und stellt sie auf die Probe. Aber sie werden diese Probe überstehen. Wir beobachten derzeit, wie Vieles auf den Prüfstand gestellt wird und wie Unternehmen in einer Schnelligkeit Lernprozesse durchlaufen, wie dies in ruhigen Zeiten selten der Fall ist. Überflüssige Kosten werden gekappt, Randaktivitäten, die in der Vergangenheit nur Verluste gebracht haben, werden beendet, neue interessante Geschäftsfelder werden erschlossen. Die Bedeutung professioneller Positionierung und Kommunikation wird von Unternehmen erkannt, die sich darüber in „ruhigen“ Zeiten nie Gedanken gemacht haben. Mein eigenes Unternehmen, die Dr. ZitelmannPB., spürt das daran, dass wir monatlich neue Verträge mit Maklern, Bauträgern, Fondsinitiatoren und Wohnungsgesellschaften abschließen und einen erheblich verstärkten Bedarf an Positionierungs-Beratung spüren.

Wie von mir an dieser Stelle immer wieder vorhergesagt, sprießen nun die Wohnungsfonds für private und institutionelle Investoren aus dem Boden. Soeben hat Engel & Völkers eine neue Fondstochter gegründet. Ausländische Gesellschaften bereiten die Auflage von Wohnungs-Spezialfonds vor oder sind mit ihnen schon am Markt. Nach den deutschen Wohnimmobilien werden nun auch weitere europäische Wohnungsmärkte entdeckt – ob nun Holland, Österreich oder Skandinavien. Gleichzeitig basteln clevere Steuerberater und Fondsinitiatoren sogar schon an Wohnungsfonds, mit denen 100 % Erbschaft- und Schenkungssteuer gespart werden können. Die gewerblich geprägte GmbH & Co KG als Steuersparmodell sollte durch die Erbschaftsteuerreform beerdigt werden und erlebt nun als noch sehr viel attraktiveres Steuersparmodell ihre Wiederauferstehung (mehr dazu bei den Veranstaltungen der BERLINER IMMOBILIENRUNDE am 24.6. und am 10.8.).

Gut, dass es in unserer Branche keine wettbewerbsverzerrenden Staatshilfen gibt wie etwa in der Automobilbranche. Deshalb bin ich sicher, dass die Immobilien- und die Fondsbranche stärker aus der Krise hervorgehen werden.

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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