Warum ich JETZT inflationsindexierte Anleihen kaufe

Erschienen am 30. Juni 2016

Inflationsindexierte Anleihen? Wer kauft jetzt noch so etwas? Zwischen Januar und Juni schwankte die annualisierte Inflationsrate in Deutschland zwischen 0 und 0,5 Prozent. Da niemand mehr an eine Inflation glaubt, kann man inflationsgesicherte Anleihen derzeit relativ günstig kaufen. Meiner Meinung nach sind sie nicht richtig bepreist im Vergleich zu normalen, kurz laufenden Bundesanleihen.

Inflation ist seit Längerem in der öffentlichen Debatte kein Thema mehr. Die EZB versucht mit ihren Maßnahmen – beinahe könnte man sagen – verzweifelt, wieder auf eine Inflationsrate von 2% zu kommen. Bislang jedoch vergeblich. Warum komme ich in einer solchen Situation auf die Idee, inflationsgesicherte Bundesanleihen zu kaufen? Gerade deshalb! Denn diese Anleihen sind umso günstiger, je niedriger die Inflationserwartung ist. Der beste Zeitpunkt, eine inflationsindexierte Anleihe zu kaufen ist dann, wenn niemand mit einer Inflation rechnet.

Ich habe in einigen Beiträgen an dieser Stelle bereits begründet, warum ich

  1. mit Blick auf Wohnimmobilien derzeit klar auf der Verkäufer- und nicht auf der Käuferseite stehe.
  2. es für eine gute Strategie halte, derzeit ganz generell eher „nichts“ zu tun und zu warten, bis sich irgendwann wieder Gelegenheit für Investments ergeben.
  3. es aus Sicherheitsgründen vorziehe, kurz laufende Staatsanleihen zu kaufen statt das Geld einer Bank zu geben.

Ich finde, man sollte mit einem Teil seines Vermögens auch gegen vermeintlich unwahrscheinliche Szenarien abgesichert sein. Deshalb habe ich auch bereits vor 12 Jahren in Gold investiert – und es nicht verkauft. Auch wenn im Moment niemand mit einer Inflation rechnet, weiß man nicht, wie das QE-Experiment der Zentralbanken letztlich ausgehen wird. Bisher hat eine extreme Ausweitung der Geldmenge in der Geschichte stets – mit einiger Verzögerung – zu einer Geldentwertung geführt.

Milton Friedman, für mich zusammen mit Hayek der wichtigste Ökonom des 20. Jahrhunderts, schrieb schon Anfang der 80er Jahre, es gebe „fünf einfache Wahrheiten über die Inflation“. Zwei dieser Wahrheiten lauteten:

  1. „Die Inflation ist ein monetäres Phänomen; sie entsteht dadurch, dass die Geldmenge schneller wächst als die Produktion…
  2. Es dauert eine gewisse Zeit – gemessen in Jahren, nicht in Monaten -, bis sich die Inflation entwickelt hat.“

Mit einer Inflation rechnet im Moment niemand. Und dies spiegelt sich in den Preisen für inflationsindexierte Anleihen wider, die meiner Meinung nach falsch (nämlich zu billig) bepreist sind.

Ich habe vor dem Kauf meine Bank gebeten, mal eine Berechnung zu machen, wie viel mich der Kauf einer inflationsgesicherten Bundesanleihe mit Restlaufzeit von knapp 22 Monaten (DE 0001030534, Rückzahlung 15.April 2018) kosten würde. Dabei wurde ein Kurs von 102,64% unterstellt. Zu berücksichtigen sind natürlich die Provision für den Kauf, die Stückzinsen, Depotgebühren bis zur Fälligkeit und eine geringe Einlöseprovision.

Das Ergebnis der Berechnung beim Kauf einer Anleihe mit einem Nennwert von 500.000 Euro (Erwerb für 546.478 Euro):

Bei einer Inflation von 0 Prozent kostet mich die Sache bis zur Fälligkeit im April 2018 9.259 Euro. Bei einem Prozent Inflation habe ich einen geringen Ertrag von 1.525 Euro und bei 2 Prozent Inflation wären es 12.415 Euro. Wenn Sie das alles selbst bei einer Direktanlagebank machen, ist das Ergebnis vermutlich noch besser, da Sie geringere Kosten haben. Wenn Sie mit Ihrer Bank schlechter über die Kosten verhandeln als ich, ist es etwas teurer.

Wichtig ist jedoch vor allem der Vergleich: Würde ich eine „normale“ Bundesanleihe mit ähnlicher Restlaufzeit (DE0001104644, bis 15.6.2018) zum gleichen Betrag kaufen, dann würde mich das im gleichen Zeitraum 9.295 Euro kosten, also genau so viel wie beim Kauf einer inflationsindexierten Anleihe, wenn die Inflation 0 Prozent beträgt.

Ich habe für mich die Folgerung daraus gezogen, dass es sich eher lohnt, eine inflationsindexierte Anleihe zu kaufen, denn sobald die Inflation über 0 Prozent liegt, fahre ich besser als mit der normalen, nicht-indexierten Bundesanleihe. Ich habe kostenlos die Absicherung gegen jedwede Inflation.

Sie glauben eher an eine Deflation? Aus einer Deflation erwächst dem Halter einer inflationsindexierten Anleihe nur ein begrenztes Risiko, weil der Rückzahlungsbetrag nicht unter den Nennwert („100“) fallen kann.

Letztlich weiß ich nicht, wie das Experiment der Zentralbanken ausgeht. Aber weil ich es nicht weiß, will ich mich gegen unterschiedliche Szenarien absichern. Unabhängig von dieser Überlegung: Allein der Anstieg des Ölpreises könnte schon zu leicht steigenden Inflationsraten führen.

Selbst wenn Sie ein Inflationsszenario in den kommenden zwei Jahren für fast ausgeschlossen halten (ganz ausschließen kann man es nicht): Ist es nicht vielleicht eine Überlegung wert, einen bestimmten Betrag für den Fall zu investieren, dass Sie unrecht behalten? Ich habe Mal von einem der erfahrensten Investoren gelesen, dass er 20 Prozent seines Geldes stets so investiert, das es gut angelegt ist, wenn er mit seinem Basisszenario und seinen Überzeugungen falsch liegt. Ich fand das keine schlechte Idee.

Im Übrigen ist es natürlich klar, dass ich den Kauf der inflationsindexierten Anleihe weniger als Investment sehe, denn als eine Möglichkeit, Geld vernünftig zu „parken“. Zu parken, um dann wieder zu investieren, wenn sich wirkliche Gelegenheiten ergeben, Geld zu verdienen. Ich halte das für vernünftiger, als jetzt irgendwelche Assets zu Mondpreisen zu kaufen.


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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.