Wettlauf um die höchste Grunderwerbsteuer

Erschienen am 21. November 2011

Das Wort Immobilien hat für viele Sozialdemokraten einen schlechten Klang. Da diese überwiegend von „Besserverdienern“ gekauft werden, sind Immobilien ihnen ebenso suspekt wie diese Bevölkerungsgruppe überhaupt. In Berlin soll jetzt einerseits der Neubau gefördert werden, um damit die Mietentwicklung zu dämpfen, andererseits wird die Grunderwerbsteuer noch weiter erhöht.

Ich erinnere mich noch, wie ich meine erste Immobilie mit einer Grunderwerbsteuerbelastung von 2% erwarb, danach wurde sie auf 3,5% erhöht. Berlin war mit der Erhöhung auf 4,5% der Vorreiter, der die im Rahmen der Föderalismusreform geschaffene Möglichkeit nutzte, die Grunderwerbsteuer auf Landesebene zu erhöhen bzw. zu senken. Übrigens hat von der Möglichkeit zur Senkung der Grunderwerbsteuer kein einziges Bundesland Gebrauch gemacht, während – wie damals von mir hier in den IMMOBILIEN NEWS vorausgesagt -, durch die Berliner Erhöhung ein bundesweiter Wettlauf um die höchste Grunderwerbsteuer einsetzte. In diesem Wettlauf will Berlin weiter an der Spitze liegen.

Gerade zynisch mutet es an, wenn die Bundesregierung ankündigt, man wolle eine Werbekampagne starten, um die Attraktivität von Wohneigentum weiteren Bevölkerungskreisen nahe zu bringen – während zugleich in den Ländern (auch unter Beteiligung der CDU) die Grunderwerbsteuer erhöht und damit eine zusätzliche Barriere für die Eigentumsbildung errichtet wird.

Deutschland ist neben der Schweiz das Land mit der geringsten Wohneigentumsquote – daran wird sich bei dieser Politik nichts ändern. Es tut sich eine zunehmende Kluft zwischen privaten Käufern von Häusern bzw. Wohnungen und professionellen Investoren im Segment der Gewerbeimmobilien auf. Bedenkt man, dass auch die Maklerkosten in Berlin inkl. Umsatzsteuer bei 7% liegen, dann hätte eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer – wie jetzt in der SPD diskutiert – auf ebenfalls 7% zur Folge, dass die Transaktionskosten für „Otto Normalverbraucher“ in der Hauptstadt auf über 15% steigen, während bei größeren Transaktionen ohnehin nicht mehr als 1-3% Maklerkosten anfallen und die Grunderwerbsteuer durch Share Deals vermeiden.

Von Dr. Rainer Zitelmann

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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