Keine Satire:
Denkmal für afrikanische Park-Drogendealer

Erschienen am 14. Juli 2016

Als ich gestern darüber schrieb, dass der französische Präsident Hollande für 10.000 Euro im Monat zum Friseur geht, dachten viele Leser, ich sei einer Satire aufgesessen. Die Nachricht hatte jedoch gestimmt. Die Politik ist heute oft in der Tat so absurd wie es sich kein Satiriker ausdenken könnte. In Berlin, wo es zwar kein Denkmal für Axel Springer gibt, die Straße am Axel-Springer-Haus jedoch nach dessen Todfeind Rudi Dutschke benannt wurde, wird nun gefordert, dass ein Denkmal für Drogendealer aufgestellt wird. Auch das ist keine Satire.

Laut Bericht des Berliner „Tagesspiegel“ hat die Fraktion der Piraten im Parlament von Friedrichshain-Kreuzberg den Antrag gestellt, den „afrikanischen Park-Drogendealer“ mit einem Denkmal zu ehren. Begründung: „Seit Jahrzehnten sind viele Dealer aus afrikanischen Ländern in Deutschland tätig.“ Sie kämen aus „Ländern, die auf eine lange europäische Kolonialgeschichte zurückblicken und in denen der Kolonialismus und der damit verstrickte Kapitalismus nach wie vor zu gravierenden Konflikten und Ungleichheiten beitragen“. Und schließlich sei der Dealer-Job eine Arbeit wie jede andere, nur eben gefährlicher. Immerhin leisteten Dealer „einen gesellschaftlich wertvollen und von vielen Menschen geschätzten Dienst“. Die Piraten wurden bei der letzten Wahl mit 8,9% in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt – ein besonderer Beleg für die politische Mündigkeit vieler Berliner. Dort treten sie u.a. dafür ein, dass im Ethik-Unterricht in der Schule „Drogenmündigkeit“ gelehrt werden solle.

Ich sehe da nur noch ein Problem, das dringend gelöst werden muss: Im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg gibt es bereits seit über zehn Jahren eine Frauenquote für Straßennamen. Um der schreienden Ungerechtigkeit Herr (oder besser: Frau) zu werden, dass die meisten Straßen Namen von Männern tragen, hat der von den Grünen regierte Bezirk 2005 beschlossen, künftig nur noch Frauennamen für Straßen zu vergeben – solange, bis die 50 Prozent erreicht sind (auch das ist keine Satire). Meine Anregung: Eine von arbeitslosen grünen und linken Sozialpädagogen rekrutierte Untersuchungsgruppe sollte mal nachzählen, wie viele Denkmäler mit Männern und wie viele mit Frauen in Berlin existieren. Da ich vermute, dass es ein erschreckendes Übergewicht an Denkmälern mit Männern gibt, sollte man konsequenterweise auch für Denkmäler eine Quote einführen. Denn warum sollen Straßen quotiert werden und Denkmäler nicht? Entsprechend sollte der Vorschlag der Piraten modifiziert werden, indem nicht ein afrikanischer Drogendealer, sondern eine afrikanische Drogendealerin dargestellt wird, zumal diese mehrfach diskriminiert ist.


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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.