„Psychologisch wichtige Marke“ – und anderer Unsinn

Erschienen am 9. Februar 2016

Die Börsenberichterstattung vieler Medien ist eine Zumutung. Seit Jahren nervt mich beispielsweise, dass stets beim Überschreiten oder Unterschreiten einer runden Zahl von einer „psychologisch wichtigen Marke“ gesprochen wird. Wie geistlos ist es, wenn mit wichtiger Miene beim Durchbrechen runder Zahlen nach oben oder nach unten (100, 50 oder auch 30 Dollar beim Öl, 1.000 Dollar bei der Unze Gold, generell jede 1000er Marke bei einem Aktienindex) von einer „psychologisch wichtigen Marke“ gesprochen wird!

Wie ein Reflex wird eine runde Zahl mit diesem völlig inhaltslosen Zusatz verbunden. Psychologisch wichtig? Warum? Für wen? Ich kenne keinen Investor, für den eine solche Marke wichtig ist und der seine Entscheidungen daran orientiert. Nicht einmal Charttechniker tun das. Wichtig ist die Marke nur für den, dessen wirtschaftlicher Verstand gerade einmal ausreicht, eine runde von einer nicht-runden Zahl zu unterscheiden. Das kann aber schon ein Erstklässler.

Auch andere Phrasen in der Börsenberichterstattung sind sinnlos, z.B.: „Alle wollen nur noch verkaufen“ – als Erklärung für einen Kurssturz. Gibt es dann „nur noch Verkäufer“? Wie unsinnig! Zum Verkauf kommt es ja nur dann, wenn ein anderer kauft.

Heute auf n-tv teletext 123 kann man lesen: „Die Erholung kam nicht – dann ging es abwärts“, sagt n-tv Börsenexperte Meyer. „Der Markt will nach unten. Der Chart ist kaputt“, erläuterte er. „Es ist Druck drauf.“… „Die psychologisch wichtige 9000er Marke schenkte er her. Händler sprachen von einem charttechnischen Ausverkauf.“

Ich finde es eine Zumutung, wenn „Börsenexperten“ solchen Quatsch zum Besten geben.


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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.