12. Wahlbericht aus den USA:
70% der Amerikaner haben eine negative Meinung über Trump

Erschienen am 16. Juni 2016

Innerhalb eines Monats hat sich die Stimmung massiv gegen Donald Trump gewendet. Trump war schon damals unbeliebt, aber die Stimmung schien sich im Mai zu seinen Gunsten zu drehen. Nach einer aktuellen Umfrage von NBC News haben sich seine Werte jedoch in den letzten Wochen erheblich verschlechtert. Inzwischen haben 70 Prozent (!) der Amerikaner eine „unfavorable opinion“ über Trump, das sind zehn Prozentpunkte mehr als einen Monat zuvor.

In meinem 10. Wahlbericht hatte ich dargestellt, wie Trump durch seine Äußerungen über die mexikanische Abstammung eines Richters immer mehr unter Druck gerät. Dies spiegelt sich jetzt in den Umfragen wider. Auch die demokratische Kandidatin Hillary Clinton hat jedoch schlechte Umfragewerte. 55 Prozent der Amerikaner haben eine „unfavorable opinion“ über Clinton.

Vergleicht man jedoch beide Kandidaten miteinander, dann ist jetzt – anders als vor einem Monat – Clinton im Vorteil gegenüber Trump. Mitte Mai lag Trump laut ABC noch mit 46 Prozent zwei Punkte vor Clinton (44%); laut FOX lag er mit 42 Prozent sogar fünf Punkte vor Clinton (37%). Am 5. Juni sah eine FOX-Umfrage Trump (39%) dagegen drei Prozentpunkte hinter Clinton (42%). Und Bloomberg sah am 10. Juni Clinton (49%) sogar zwölf Punkte vor Trump (37%).

Der Grund für die negative Stimmung zu Trump ist einfach: Dass die Anhänger der Demokraten gegen ihn sind, ist ohnehin klar. Doch Trumps Problem ist, dass er auch zunehmend bei konservativen Wählern und Politikern auf Ablehnung stößt. Das hat nur teilweise etwas mit seinen politischen Positionen zu tun. Seine Ablehnung der „Political Correctness“ wird von vielen Amerikanern geteilt. Aber er vermittelt erstens den Eindruck, dass er sich nicht unter Kontrolle hat und zweitens sehen viele Wähler in ihm einen Narzissten und Egomanen.

Trump hat den Stimmungsumschwung zu seinen Ungunsten natürlich wahrgenommen und versucht, darauf zu reagieren. So hat er jetzt angekündigt, er wolle mit der Waffenlobby NRA (eine der Gruppen, die ihn am frühesten unterstützt hat) darüber sprechen, wie man verhindern könne, dass Personen, die auf der Gefährder-Liste stehen, Waffen kaufen können. Gemeint sind damit Personen, die in einem Terrorverdacht stehen und die deshalb beispielsweise kein Flugzeug benutzen dürfen. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass ihm dies etwas nützt, denn wer für schärfere Waffenkontrollen ist, stimmt für die Demokraten und nicht für die Republikaner.

Auch versucht Trump, bei Gruppen, die ihm ablehnend gegenüberstehen, Sympathien zu sammeln – so etwa bei Frauen und Homosexuellen. Trump verweist darauf, dass die Stiftung von Hillary und Bill Clinton hohe Millionenbeträge von Ländern wie Saudi Arabien genommen habe, in denen Frauen rechtlos sind und Homosexuelle verfolgt werden. Clinton habe Kritik an solchen Staaten konsequent vermieden, eben weil diese ihre Stiftung finanziell unterstützt hätten. Er vertrete daher, so argumentiert Trump, besser und glaubwürdiger die Rechte von Frauen und Homosexuellen.

All diese Argumente scheinen Trump nichts zu nutzen, wie die Umfragen zeigen. Ganz offensichtlich werden diese und ähnliche Äußerungen als durchsichtige Versuche zur Anbiederung an Gruppen wahrgenommen, die Trump kritisch sehen. Ein anderes Beispiel dafür:

Öffentlich erklärt Trump kürzlich, dass er die Latinos „liebe“. Doch diese „Liebe“ wird nicht erwidert: 89 Prozent der Lationos haben laut der oben zitierten Umfrage eine negative Meinung über Trump.

ABC NEWS hat darauf hingewiesen, die aktuellen Umfragen bestätigten, dass Clinton und Trump die beiden unpopulärsten Kandidaten seien, seit der Sender Umfragen zu diesem Thema erhebt – und das sind immerhin mehr als drei Jahrzehnte.


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Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.