Die Hayek-Schülerin – Zum Tod von Margaret Thatcher

Erschienen am 15. April 2013

Ich bewundere keine europäische Politikerin des letzten Jahrhunderts mehr als Margaret Thatcher. Als sie 1979 Premierministerin wurde, stand Großbritannien vor dem Bankrott. Die Gewerkschaften waren allmächtig und schadeten mit ihren Dauerstreiks der britischen Wirtschaft, die Staatsschulden explodierten, die Inflation und die Arbeitslosigkeit stiegen auf Rekordwerte. Als Thatcher 1990 abtrat, hinterließ sie ein wirtschaftliches gesundes und stabiles Land.

Thatcher war eine Anhängerin des aus meiner Sicht größten Denkers des letzten Jahrhunderts, Friedrich A. von Hayek. Hayek war stets ein dezidierter Kritiker des Wohlfahrtsstaates, weil er der Überzeugung war, dass die freie Marktwirtschaft am Ende auch den größten Wohlstand für alle bedeuten würde. Hayek sah die verhängnisvolle Entwicklung marktwirtschaftlicher Systeme in Richtung eines quasi sozialistischen Wohlfahrtstaates und erkannte darin die größte Gefährdung sowohl für die Freiheit als auch für den Wohlstand der Menschen.

Es ist selten in der Geschichte der Fall, dass Politiker sich von freiheitlichen Theorien leiten lassen, die für eine Beschränkung der Macht des Staates plädieren. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts waren dies Politiker wie Ludwig Erhard und Ronald Reagan. In allen drei Fällen, in denen Politiker konsequent marktwirtschaftliche Ansätze verfolgten, war dies zum Wohl der Menschen in ihren Ländern: Im Nachkriegsdeutschland Erhards, in der Reagan-Ära in den USA und in der Ära Thatcher in Großbritannien.

Das Programm Margaret Thatchers wäre heute das beste Gesundungsprogramm für Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien, aber auch für Deutschland.

  • Beschränkung der Staatsausgaben durch Einsparung der laufenden Konsumausgaben. Als Thatcher an die Regierung kam, betrug das Defizit 4,4 % des BIP, zehn Jahre später war es nur noch 1,6%. Die Staatsschuldenquote wurde in weniger als einem Jahrzehnt von fast 55 auf 40 Prozent reduziert, die Staatsquote sank deutlich.
  • Reduzierung der Steuern: Unter Thatcher sank der Spitzensteuersatz von 83 auf 40 Prozent – zugleich wurde die Vermögenssteuer reduziert. Hollande tut in Frankreich gerade das Gegenteil.
  • Privatisierung: Ob British Telecom, British Airways oder andere Unternehmen: Thatcher privatisierte zahlreiche Staatsbetriebe. Für viele Menschen eröffnete dies neue Partizipationschancen – die Zahl der Aktionäre versechsfachte sich in ihrer Amtszeit.
  • Deregulierung des Arbeitsmarktes: Thatcher hatte den Mut, sich mit den allmächtigen Gewerkschaften anzulegen. Konsequent deregulierte sie de Arbeitsmarkt, der am Ende ihrer Amtszeit die geringste Regulierungsdichte von allen OECD-Staaten aufwies.

Ganz im Gegensatz zur Konsenspolitik von Angela Merkel, der es vor allem um den eigenen Machterhalt geht, war Thatcher bereit, jederzeit Konflikte einzugehen, wenn dies notwendig war – so etwa mit den Gewerkschaften. Anders als Merkel passte sie sich nicht an den Zeitgeist an, sondern bestimmte selbst den Zeitgeist.

Der Erfolg von Thatcher bewies in der Praxis die Überlegenheit der Marktwirtschaft gegenüber der Planwirtschaft. Die Einsicht, dass der Markt klüger ist als Staatsbeamte, ist inzwischen leider in Vergessenheit geraten. In der EU herrscht heute der Glaube an die Allmacht von Planung und staatlicher Regulierung. Dabei hatte der Zusammenbruch des Sozialismus/Kommunismus Ende der 80er Jahre gezeigt, dass die Marktwirtschaft der staatlichen Planwirtschaft eindeutig überlegen ist.

Marktwirtschaftliche Reformen haben sich stets heilsam auf die Wirtschaft ausgewirkt. Selbst da, wo sie nur zögerlich angegangen wurden, wie unter Gerhard Schröder in Deutschland, bewirkten sie eine erstaunliche Gesundung der Wirtschaft. Das größte „Wunder“ vollbrachte jedoch Margret Thatcher in Großbritannien. Aus der Sicht der heute in Europa herrschenden Politiker war Thatcher eine schlimme „Marktradikale“. Aus meiner Sicht war sie die größte Politikerin des letzten Jahrhunderts.

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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