Krise des Papiergeldsystems

Erschienen am 14. Dezember 2009

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass Griechenland beim Euro-Beitritt kräftig geschummelt hat. Eigentlich wusste man das bislang auch schon, aber man wollte es nicht wahrhaben. Und Griechenland ist nicht das einzige Land, bei dem es berechtigte Zweifel gibt. Es ist wie bei einem Radsport-Wettbewerb, bei dem sich hinterher alle überrascht geben, dass viele Teilnehmer gedopt haben.

Die so genannten Maastricht-Kriterien, auf deren penible Einhaltung geachtet werden sollte, um die Stabilität der Währung zu garantieren, sind inzwischen ohnehin längst in Vergessenheit geraten. Fällt es Ihnen nicht auf, dass selbst der Begriff „Maastricht-Kriterien“, der vor wenigen Jahren noch in aller Munde war, kaum mehr in den Medien auftaucht? Mal liegt die Inflationsrate deutlich über den anvisierten 2%, dann wiederum steigt die Verschuldung der Haushalte um ein Vielfaches über das in Maastricht Beschlossene hinaus. Von ernsthaften Sanktionen gegen jene Länder, die gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen, ist längst nicht mehr die Rede. Da alle irgendwie „dopen“ und da die Gemeinschaft der Doping-Sünder über die Bestrafung entscheidet, gibt es auch keine Strafen für das Fehlverhalten.

Die vermeintliche Stärke des Euro, die sich vor allem im Wechselkurs zum US-Dollar widerspiegelt, ist in Wahrheit nur Ausdruck einer Schwäche des US-Dollar. Da beide Währungen derzeit sehr schwach sind, erscheint der Euro stärker als er ist.

Gegenüber der Währung Gold haben beide Währungen, der US-Dollar und der Euro, in den vergangenen Jahren massiv an Wert verloren. Ich glaube, dass die Stärke des Euro eine scheinbare Stärke ist. Ob die Kunstwährung, deren Geschichte auf den ersten Blick so erfolgreich erscheint, sich wirklich dauerhaft behaupten wird, ist aus meiner Sicht fraglich.

Tatsächlich steuern wir auf eine Krise des Papiergeldsystems zu. Man muss sich nur einmal vorstellen, dass sich die Finanzkrise noch einmal wiederholt. Was wollen die Staaten dann tun? Noch einmal die Staatsschulden um Billionen Euro und Dollar erhöhen? Das erscheint völlig undenkbar. Eine Wiederholung der Finanzkrise, und zwar auf höherem Niveau, ist dagegen überhaupt nicht undenkbar. Die Politik hat die Ursachen der Finanzkrise nicht ernsthaft diskutiert. Statt ernsthafter Analyse bestimmt Populismus das Handeln. Die politische Klasse hat sich darauf verständigt, dass gierige Manager und insbesondere zu hohe Bonus-Zahlungen die Ursache der Krise seien. Deshalb konzentriert sich das staatliche Handeln darauf, Bonus-Zahlungen stärker zu besteuern oder zu limitieren. Die „Analyse“ ist ebenso lächerlich wie die Therapie.

Das sollte uns alle beunruhigen. Wie viel Vertrauen kann der Patient (das sind wir alle) in einen Arzt haben, der die Krankheit nicht versteht und bei dem die offensichtliche Fehldiagnose zu einer Therapie führt, die nur kurzfristig eine Gesundung des Patienten vorgaukelt, in Wahrheit jedoch den Keim für einen erneuten, sehr viel stärkeren Ausbruch der Krankheit legt?

Inzwischen ahnen alle, dass die Staaten ihre Schulden niemals werden zurückzahlen können. Da alle das wissen, sind sämtliche Barrieren für die Steigerung der Verschuldung durchbrochen. Viele Bürger ahnen inzwischen, dass es langfristig nur die Alternative einer Währungsreform oder einer Inflation gibt.

Dr. Rainer Zitelmann

Über den Autor

Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten und -netzwerker in Deutschland.

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